Folgendes Leitmotto gibt uns Ayurveda für das menschliche Leben:

Wir sollen in einem gesunden Körper zufrieden in der materiellen Welt leben, ohne jedoch unsere Wurzeln der spirituellen Welt zu vergessen.
 

    Was ist Ayurveda?

    Viele wissen nicht, dass Ayurveda mehr als eine Ölmassage oder Entspannungsbehandlung ist.
    Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda „Wissenschaft vom Leben“
    Ayus heißt Leben / veda vollständiges Wissen.
    Ayurveda ist das älteste System für Gesundheit und Langlebigkeit, das sich über Jahrtausende bis heute bewährt hat. Seine Prinzipien sind universal u. zeitlos und gelten als Quelle aller naturheilkundlichen Überlieferungen

     

    Anfänge des Ayurveda

    Die Anfänge des Ayurveda lassen sich bis in die vedische Kulturepoche Indiens zurückverfolgen.
    Die ersten Abhandlungen über Hygiene, Diagnose und Therapie finden sich in den Veden, deren Niederschrift in die Zeit v. 3. Jahrtausend bis zum 8. Jahrhundert v. Chr. datiert wird.

    Die Veden, veda heißt übersetzt vollständiges Wissen, gelten als die ältesten Belege der indischen Kultur, Philosophie und aller anderen Wissenschaften, einschließlich der Heilkunde. Bei den in Sanskrit verfassten Texten handelt es sich nicht um ein einzelnes Werk, sondern um eine eigene Literaturgattung.Der Ayurveda besteht aus mehreren Schriftsammlungen, den Samhitas.
    In der Zeit v. 7. Jahrhundert. v. Chr. bis 1000 n. Chr. wurden die klassischen Texte des Ayurveda aufgezeichnet, die Caraka Samhita u. die Sushruta Samhita.

    In den klassischen Texten sind acht eigenständige Bereiche beschrieben:

        • Innere Medizin
        • Toxikologie
        • Chirurgie
        • Augenheilkunde
        • Kinderheilkunde
        • H.-N.-O- Medizin (Hals - Nasen - Ohren)
        • Gynäkologie
        • Geburtshilfe

           

    Ayurveda und Yoga

    Indien besaß seit Anfang der Existenz des Ayurveda, eine ihm völlig parallel laufende Wissenschaft, die sich Yoga nannte. Behandlungsmethoden der ayurvedischen ärztlichen Praxis ähneln denjenigen die in den Hatha-Yoga Texten überliefert sind
    Die Selbstheilungskräfte werden unterstützt durch die Bereiche Ernährung, Heilkräuter sowie Reinigungs- und Verjüngungsmaßnahmen.
    Ayurveda und Yoga betrachten den Menschen als Einheit von Körper, Geist, Verhalten und Umwelt.

     

    Die drei Doshas oder welchem Typen entsprechen Sie?

    Alle physischen und geistigen Körperfunktionen werden von den „drei Doshas“ gesteuert: Vata, Pitta und Kapha.
    Ein ausgewogenes Zusammenspiel dieser drei Doshas erhält das Leben und hilft bei guter Gesundheit zu bleiben. Die physische Verschiedenheit der Menschen, die Unterschiede in ihren Charakterzügen und ihren biologischen Reaktionen rühren her von verschiedenen Mischungsverhältnissen der Doshas.
    Von Geburt an trägt jeder Mensch alle drei Doshas in unterschiedlicher Kombination in sich. Ziel im Ayurveda ist es, das Gleichgewicht dieser 3 Doshas zu erhalten, denn dann ist der Mensch gesund.

    Es gibt keinen „Reinen“ Typen, sondern meistens sind wir Mischtypen z. B Vata-Pitta oder Kapha-Vata, ganz selten finden wir Mischtypen, bei denen Vata Kapha und Pitta genau gleich vorhanden sind.

    Die spezifischen Eigenschaften der einzelnen Doshas stehen in Zusammenhang mit den Elementen aus denen sie entstanden sind.

    Die 5 Elemente umfassen:
                  
                 Raum (Äther)  Luft  Feuer  Wasser  Erde

    Vata ist das aus den beiden Elementen Raum und Luft entstandene Dosha. Es steht für Bewegung und Fluss. Es ist mit dem Nervensystem verbunden und reicht bis in alle Regionen des Körpers.Vata ist verantwortlich für alle Bewegungsabläufe in den Körperzellen und den Eingeweiden. Es steuert das Wachstum, regelt die Aktivität des Geistes und der Sinnesorgane und bewirkt Wachheit, Klarheit u. Kreativität.

    Vata kontrolliert die beiden anderen Dosha und kann entsprechen auch als „Schrittmacher „ der biologischen Aktivität bezeichnet werden.

    Merkmale von Vata:
    Beweglich, schnell, leicht, kalt, subtil, rau und trocken  - die anderen Doshas führend

    Eigenschaften von Vata-Typen:
    Geringes Gewicht und leichter Körperbau
    Begeisterungsfähigkeit
    Geht Dinge schnell an
    Neigung zu trockener Haut
    Abneigung gegen kaltes und windiges Wetter
    Unregelmäßiger Hunger und unregelmäßige Verdauung
    Neigung zu Verstopfung
    Schnelle Auffassungsgabe und gutes Kurzzeitgedächtnis
    Neigung zu Sorgen und Kummer sowie zu leichtem und unterbrochenem Schlaf

     

    Pitta ist das aus dem Element Feuer abgeleitete Dosha. Es gilt als Stoffwechselprinzip und ist zuständig für die Tätigkeiten des Verdauungssystems und des Stoffwechsels. Es regelt den Wärmehaushalt des Körpers. Intellekt und emotionaler Ausdruck sind ebenfalls eine Funktion von Pitta.

    Merkmale von Pitta
    Warm, scharf, leicht, flüssig, scharfer Geschmack, leicht ölig

    Eigenschaften von Pitta-Typen
    Mittelschwerer Körperbau
    Geht Dinge mit mittlerer Geschwindigkeit an
    Arbeitet sehr systematisch und organisiert
    Abneigung gegen Hitze
    Starker Hunger und gute Verdauung
    Kann Mahlzeiten schlecht ausfallen lassen
    Mittlere Auffassungsgabe und Gedächtnis
    Guter Redner
    Kann Erlerntes systematisch wiedergeben
    Unternehmungslustiger und mutiger Charakter mit Neigung zu Ungeduld, Ärger
    Leicht erregbar
    Bevorzugt kalte Speisen und kühle Getränke
    Neigung zu Sommersprossen und Muttermalen

     

    Kapha ist das aus den Elementen Wasser und Erde abgebildete Dosha. Es ist für die Körperstrukturen und den Flüssigkeitshaushalt verantwortlich. Kapha steht für Zusammenhalt und Stabilität der Strukturen unseres Körpers und ist verantwortlich f. biologische Stärke, indem es die natürlichen Abwehrkräfte fördert.

    Merkmale von Kapha
    Schwer, ölig, langsam, kalt , stabil, glatt, fest und träge

    Eigenschaften von Kapha-Typen
    Stabiler und schwerer Körperbau
    Große Stärke und Ausdauer
    Geht Dinge methodisch und langsam an
    Neigung zu glatter und fetter Haut
    Geringes Hungergefühl und langsame Verdauung
    Ruhige und beständige Persönlichkeit
    Langsame Auffassungsgabe, aber gutes Langzeitgedächtnis
    Tiefer und langer Schlaf
    Kräftiges, eher dunkles Haar
    Ist schwer aus der Ruhe zu bringen

     

    Entstehung von Krankheiten aus ayurvedischer Sicht

    Krankheiten entstehen durch Störungen der Doshas, sowohl auf der körperlichen, als auch auf der geistigen Ebene.

  • Chayavastha, hier werden die Doshas durch z. B. ungesunde Lebensweise, ungünstige klimatische Einflüsse, emotionale Störungen, wie Angst, Zorn und andere negative Emotionen gestört.
     
  • Prakopavastha, hier sammelt sich das gestörte Dosha an und vermehrt sich in seinem angestammten Sitz.
     
  •  Prasavastha, nun verlässt das gestörte Dosha seinen Sitz und verteilt sich im Körper
     
  •  Sthana-Samskriya, nun setzt sich das gestörte Dosha in den körperlichen Schwachstellen fest, wird als Gift und verursacht Krankheitssymptome.
     
  • Es gibt vier Arten der körperlichen Krankheiten:

    1. Kapha: hier ist das Kapha-Dosha gestört, zuviel Wasser- und Erdelement. Das bedeutet Verschleimung und Blockierung von Shrotas. Es gibt 20 Erkrankungen durch gestörtes Kapha. Zu wenig Kapha zeigt die Symptome wie bei zu viel Vata

    2. Pitta: Es gibt 40 Erkrankungen die durch gestörtes Pitta entstehen. Hier ist das Feuerelement überschüssig. Entzündungen, Durchfall oder auf geistiger Ebene Zornesausbrüche deuten auf zuviel Pitta hin. Zuwenig Pitta zeigt Symptome wie bei erhöhtem Kapha oder Vata.

    3. Vata: Es gibt 80 Erkrankungen die durch gestörtes Vata entstehen. Hier ist das Luftelement überschüssig. Symptome sind Verspannung, Krämpfe, Austrocknung. Schusseligkeit, Gedächtnisschwäche auf der psychischen Ebene. Zuwenig Vata zeigt Symptome die erhöhtem Kapha gleichen.

    Bei dem Ausgleich wird immer das erhöhte Dosha gesenkt. Wir schauen uns immer an welches Dosha ist erhöht und durch ausgleichende Maßnahmen werden automatisch die anderen Doshas „erhöht“ und das betroffene, angeschwollene Dosha gesenkt.

    4. Ama: Dies ist die häufigste Krankheitsursache, es handelt sich um Schlackenstoffe die durch mangelnde Verdauung entstehen. Ama ist wie ein zäher Schleim und verstopft die Shrotas und die Nadis. Das Vorhandensein von Ama im Körper lässt sich am Belag der Zunge erkennen. Als erstes sollte bei jeder Behandlung Ama beseitigt werden. Hier hilft Fasten und die Stärkung von Agni.

     Agni - das Verdauungsfeuer

    Agni ist eine der wichtigsten Funktionen im Ayurveda; es ist den Dosha gleichgestellt. Ein wesentliches Merkmal von guter Gesundheit ist, das Agni hell brennt, d. h., dass wir Nahrung effizient verdauen und jeder Zelle alle für sie notwendigen Nährstoffe zuführen und zugleich alle Abfallstoffe rückstandsfrei verbrennen, also ausscheiden.
     

     Wie Agni normalisiert wird

    Gewisse Nahrungsmittel, Gewürze und Kräuter verbessern bei jedem Menschen die Qualität von Agni. Sie werden verwendet, um den Appetit anzuregen, die Verdauung zu fördern und Ama (Schlackenstoffe) zu beseitigen.

     

     

     Noch einige Worte zur ayurvedischen Massage (Abhyanga)

    Der Markt wird zurzeit überschwemmt von “Ayurveda-Masseuren” die mehr oder weniger gut ausgebildet sind.
    Auch im Wellnessbereich wird der Begriff Ayurveda häufig missbraucht.


    Zitat aus dem Buch Ayurveda Live von Siegfried Kogelfranz:
    “So können die angeblich so wohltuenden Massagen zuweilen durchaus Schaden anrichten, auch wenn sie tatsächlich als angenehm empfunden
    werden. Vor allem, wenn Amateure nicht bloß fantasievolle Exotica wie “Klangmassagen” verabreichen, sondern sich an komplizierte und allein medizinisch indizierte Behandlungen wagen. Etwa den Stirnguss mit warmem Öl. Er kann nämlich durch seine Wirkung auf das vegetative Nervensystem schon bei fachgemäßer Anwendung beim Patienten unvorhergesehene Reaktionen hervorrufen.”

    Unterschied zwischen einer Wellnesskur und einer
               Pancha Karma Therapie:

    Die Wellnesskur kann durchgeführt werden, wenn sich noch keine Krankheitsbilder manifestiert haben. Sie gleicht durch die Ölanwendungen Dosha Ungleichgewichte aus. Die Wirkung der Wellnesskur ist nicht so nachhaltig wie die der Pancha Karma Kur.
    Die Pancha Karma Kur ist als ayurvedische Therapie (darf nur von Heilpraktikern und Ärzten angewendet werden) zu sehen und anzuwenden, wenn sich bereits Krankheitsbilder entwickelt haben. Hier werden die gestörten krankmachenden Doshas aus dem Körper ausgeschieden.

    Die Pancha Karma Kur ist eine Reinigungs- und Entschlackungstherapie, die sehr tief in den Organismus eingreift. Die Ölmassagen dienen hier als Vorbereitung um den Körper zu entschlacken.

     
    Woran erkenne ich einen guten Therapeuten?

    Folgendes sollte der Therapeut vor jeder Massage beachten:

    Er sollte saubere Hände, kurz geschnittene Nägel und eine ausgeglichene Verfassung haben. Ringe sind abzulegen. Die Hände sollten eine angenehme Temperatur haben. Lange Haare beim Patienten sollten zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden werden. Vor der Massage sollte der Patient nichts gegessen haben.

    Der Therapeut sollte sich informieren, ob eine Thrombosegefahr besteht. Falls ja, dann ist der Bereich der Beine nur sanft zu massieren.Es dürfen keine Entzündungen und Verletzungen des Ohres und des Trommelfels vorliegen.

     

    Nach jeder ayurvedischen Massage ist folgendes zu beachten:

    Nach der Behandlung ist unbedingt eine ausreichende Nach-Ruhe einzuhalten. (Ca 30 bis 60 Minuten) Außerdem soll der Körper unbedingt vor Wind, Nässe und Kälte geschützt werden, besonders der Kopf. Vom Baden im Meer oder im Pool während und nach der Kur wird abgeraten, da es den Entgiftungsprozess behindert.
    Danach kann sich der Patient duschen. Es wird eine sanfte Seife empfohlen, denn ein leichter Ölfilm soll auf der Haut verbleiben.

    Indikationen bzw. Beschwerden die für eine ayurvedische Massage sprechen:

    Indikationen:

    Bei Vatastörungen und Vatabedingten Alterserscheinungen, Muskelverspannungen und Schmerzen, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, psychosomatische Erkrankungen, hoher Blutdruck, Vorbereitung für die Pancha Karma Therapie

    Gegenindikationen:
    Vom Therapeuten unbedingt vor einer Massage zu erfragen

    Nach vorhandenen Allergien fragen (nicht jeder verträgt alle Öle)
    Bei entzündeter Haut (akute Neurodermitis)
    Bei einer Amabelastung (Schlackenstoffe), da dies dem Erscheinungsbild einer Kaphastörung gleicht, würde das Problem verschlimmern.
    Bei erhöhtem Kapha und Übergewicht
    Bei erhöhter Thrombosegefahr Diabetes Verdauungsstörungen, Fieber, Kopfschmerz, Entzündungen der Haut
    Kein Abhyanga in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten und während der Menstruation.

    Alternative bei erhöhtem Kapha bzw. Übergewicht

    Kapha Personen werden mit Senfsamenöl behandelt. Es hat eine sehr erhitzende Wirkung und ist daher das einzige Öl, das für Kapha-Konstitutionen verträglich ist.
    Alternativ kann man mit einem Kräuterpulver massieren, oder eine Massage mit speziellen Seidenhandschuhen (Garshanmassage)